In den letzten Wochen wurde ich von so vielen Lobbyisten umgarnt bis bedrängt wie selten zuvor. Grund dafür waren unsere Sparanträge anlässlich der Finanzplanung der Stadt Bern für die nächsten Jahre (die Medien haben ausführlich darüber berichtet: Artikel Bund, Artikel Berner Zeitung).
Interessant ist, dass alle Lobbyisten die für Subventionen weibeln einen gemeinsamen Satz haben:
Das Gäld chunnt mehrfach zrugg!
Dieses Argument führte gestern beispielsweise Stadtpräsident Alexander Tschäppät gegen jegliche Sparmassnahmen im Kulturbereich ins Feld. Genau gleich argumentierten aber auch die Vertreter von Bern Tourismus in ihrem Kampf für städtische Subventionen für ihre Marketingaktivitäten, nachdem wir uns erlaubt hatten, diese in Frage zu stellen. In einem Schreiben an die Stadträte tönt das dann so:
Je mehr Geld im Markt investiert werden kann, desto mehr „return on investment“ darf erwartet werden (Multiplikator-Effekt). Mehr Marktnähe erfordert mehr Mittel.
Wenn das stimmt, frage ich mich, warum das Marketing für die Tourismusbranche dann so dringend auf Subventionen durch Steuergelder angewiesen ist. Wenn jeder investierte Franken um ein vielfaches zurückkommt, müsste es doch das betriebswirtschaftliche Eigeninteresse der Branche sein, mehr eigenes Geld in das Tourismusmarketing zu investieren (und sich wenn nötig besser untereinander zu koordinieren).
Aber selbstverständlich ist es so gekommen, wie es eigentlich immer kommt: Die Lobbyisten hatten Erfolg auf der ganzen Linie und unsere entsprechenden Anträge wurden abgelehnt. Im Kulturberich waren es die linken Parteien welche die Subventionen erfolgreich schützten, beim Tourismus die Bürgerlichen mit ein paar linken Abweichlern. Sobald es um die eigenen Interessen geht, finden natürlich auch FDP und SVP Subventionen ganz toll, wir kennen es von der Landwirtschaft.
Randbemerkung I: FDP und SVP verkündeten gestern zwar gross, dass eisern gespart werden müsse, von beiden Parteien kamen aber genau 0 (null) konkrete Sparvorschläge und die meisten Anträge der anderen Parteien lehnten sie auch noch ab. Der Bund bringt es in seinem Kommentar auf den Punkt: Der Rat der Mutlosen.
Randbemerkung II: Bevor ich es vergesse, auch unser Streichungsantrag betreffend der Subventionen für das “Haus der Religionen” wurde selbstverständlich abgelehnt, ausserhalb der glp gab es kaum Stimmen dafür - nur der einsame PdA-Vertreter im Rat setzte sich noch vehement dafür ein. Das Hauptargument für diese Subvention: Vor Jahren hat der damalige Gemeinde- und/oder Stadtrat diese Subventionen offenbar mal versprochen (nein, das ist kein Witz).
Wenn wir alle Versprechen, die unsere politischen Vorgänger einmal gemacht haben als Gesetz anschauen, können wir den Stadtrat auch schliessen und künftig die Verwaltung anhand alter Protokolle entscheiden lassen.


