Das Wirtepatent ist ein alter Zopf!

Es ist unbestritten, dass für Gastronomiebetriebe eine Betriebsbewilligung nötig ist und verschiedene Auflagen gelten müssen, beispielsweise für Hygiene, Konsumenten- und Jugendschutz. Diese Auflagen sollen auch regelmässig kontrolliert werden.

Der gastgewerblichen Fähigkeitsausweis, besser bekannt als Wirtepatent, ist aber ein alter Zopf. Verschiedene Schweizer Kantone haben diese Pflicht deshalb bereits abgeschafft.

Auch im Kanton Bern gelten heute schon diverse Ausnahmen. Restaurants mit bis zu 30 Sitzplätzen (resp. bis zu 60, da innen und aussen getrennt betrachtet werden) sind genauso von der Patentpflicht ausgenommen wie Betriebe die weniger als 100 Tage pro Jahr offen haben. Es ist also schon heute eine Vielzahl von Betrieben im Kanton Bern von der Patentpflicht befreit (vgl. Artikel 19 der Gastgewerbeverordnung).

Es ist nicht bekannt, dass die Qualität der Gastronomiebetriebe in den Kantonen ohne Patentpflicht oder bei den davon befreiten Betrieben in Kanton Bern schlechter wäre, als bei Betrieben mit Patentpflicht. Damit bleibt die Pflicht zum gastgewerblichen Fähigkeitsausweis unter dem Strich eine unnötige Bürokratie, die erst noch zu ungleich langen Spiessen in der Gastrobranche führt. Es ist bspw. nicht erklärbar, warum ein Restaurant ohne Terrasse mit 31 Sitzplätzen im Innern einen Fähigkeitsausweis haben muss, ein fast doppelt so grosses Restaurant mit je 30 Sitzplätzen innen und aussen aber nicht.

Dieser alte Zopf kann also mit gutem Gewissen abgeschnitten werden. Denn auch ohne Patentpflicht brauchen Gastronomiebetriebe in Zukunft eine Betriebsbewilligung und alle Auflagen für Hygiene, Konsumenten- und Jugendschutz gelten weiterhin. Ob diese eingehalten werden, kann nur mittels Kontrollen festgestellt werden, ein – je nach dem vor vielen Jahren gemachter Fähigkeitsausweis – ist hingegen keineswegs eine Garantie für Qualität.

Darüber hinaus sollen die Konsumentinnen und Konsumenten und nicht der Staat über den Erfolg eines Gastromiebetriebs entscheiden. Wenn Konsumentinnen und Konsumenten von einem Restaurant überzeugt sind, gehen sie hin, wenn nicht, lassen sie es bleiben. Egal ob der Wirt nun einen Fähigkeitsausweis hat oder nicht.

Ein Gedanke zu „Das Wirtepatent ist ein alter Zopf!

  1. jüerg Rimann Antworten

    Das Wirtepatent wird zwar als ein alter Zopf taxiert hat aber doch ein paar wenige Vorteile. Ich möchte da mal aus dem Blickwinkel von Zürich (ohne Patent) sprechen
    – Die Wirte brauchen die Fahigkeit eine Wirtschaftlichkeitsprüfung erstellen. Zu viele Betriebe gehen vor(!) der Eröffnung oder kurz nach Eröffnung Konkurs. Pensionskasse ade!
    – Sie müssen ein Konzept erarbeiten können um einen Betrieb hygienisch richtig zu führen. Nicht nachher Flicken sondern voraus planen. Etwas was viele Wirte nicht können. Ein guter Koch ist noch nicht zwingend ein guter Manager oder Bauherr
    – Viele Restaurants sind aussen “Hui und innen Pfui” und der Gast merkt es nicht (bis zum Durchfall und Bauchschmerzen) wenn er Gammelfleisch bekommt, oder Schweinefleisch für Kalbssteak serviert bekommt (konkreter Fall bekannt).
    – Nicht zu vergessen, dass einige wenige Wirte illegales Glückspiel betreiben oder einige wenige Drogen handeln. Bei Patentenzug führt dann das Patent jemand anderes weiterführt bis die Sperrung wieder aufgehoben ist. Mindestens da müsste dann das Lokal geschlossen bleiben welches bei Insidern bekannt ist und nicht schnell eine(n) andere(n) Patentinhaber(in).

    Ich würde es aber wüschen, wenn die Ausbildung der Fachleute (Koch Hotelfach-Assistent etc.) so erweitert werden könnte dass diese mit dem Erwerb ihres Berufsabschluss (oder Fachprüfung) gleich auch die Prüfung bestehen.

    Gruss Jürg Rimann (GLP Mitglied)

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