In einer Gesellschaft, welche auf liberalen Grundwerten basiert, sollte diese Frage wenn immer möglich direkt von der Bevölkerung beantwortet werden (und nicht primär von Politikern und deren Lobby). Erreicht werden kann dies über ein Gutscheinsystem, wie dies die Grünliberalen Stadt Bern als Pilotprojekt für Kindertagesstätten fordern (der “Bund” hat berichtet).
Dieses Pilotprojekt könnte eine Vorbildsfunktion einnehmen. Durch ein Gutscheinsystem, welches möglichst viele - heute vom Staat direkt subventionierte - Bereiche umfasst, liessen sich auch politische Entscheidungen wie Sollen die lokalen Tanztage oder doch lieber das alternative Kulturlokal staatliche Födergelder erhalten? oder Sollen wir mehr staatliche Weiterbildungsprogramme schaffen oder doch lieber Privatschulen finanziell unterstützen? vermeiden. Alles Fragen, welche sich nun einmal stellen, will man den kommenden Generationen nicht Schuldenberge hinterlassen.
Die Politik müsste einzig über die Höhe des Gesamtbudgets und den Verteilschlüssel für die Gutscheine befinden. Per se sagt ein Gutscheinsystem also weder etwas über die Höhe der Staatsausgaben, noch über mögliche Umverteilungen aus. Politiker und Parteien aller couleur könnten also nach wie vor ihre Vorstellungen über die Rolle des Staates verfolgen.
Es ist ein Irrglaube vieler Politiker, dass sie selbst am besten wissen, was die Bevölkerung braucht und wünscht. Wir brauchen keine Staatskultur, vielmehr sollte die Kultur gefördert werden, welche die Bevölkerung tatsächlich wünscht. Wir müssen auch nicht darüber debattieren, ob und in welchem Umfang Kindertagesstätten, Privatschulen oder Weiterbildungsprogramme staatlich subventioniert werden sollen, lassen wir das die Bevölkerung selbst entscheiden.
Gerade in der Stadt Bern ist die nicht befriedigte Nachfrage nach zusätzlichen Kita-Plätzen offensichtlich. Ein Gutscheinsystem für ebendiese würde das gewünschte Angebot schaffen und deren effiziente Finanzierung ermöglichen, könnten die Stadtberner Eltern doch selbst entscheiden, welchen Kitas sie ihre Gutscheine und damit die staatlichen Subventionszahlungen geben.
August 4th, 2008 by Michael Koepfli