Mit fast 60% Ja-Stimmen haben die Schweizer Stimmberechtigten sehr deutlich Ja zur Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit mit der EU gesagt. Dieser Entscheid ist für die Schweizer Wirtschaft von grosser Wichtigkeit. Erfreulich ist er aber auch für viele Arbeitnehmende und Studierende, welche zeitweise oder dauerhaft im EU-Raum arbeiten oder studieren möchten.
Die Schweizer Bevölkerung möchte den bereits eingeschlagene Weg also konsequent weiterverfolgen - viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Was für Schlüsse bezüglich der künftigen Europapolitik der Schweiz gewisse Politikerinnen aus dem heutigen Resultat ziehen, finde ich daher höchst fragwürdig.
SVP-Hardlinerin und Anti-Partikelfilter-Lobbyistin Jasmin Hutter scheint das Verdikt der Schweizer Bevölkerung überhaupt nicht akzeptieren zu können. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Resultats bringt sie eine Volksinitiative zur Einschränkung der Personenfreizügigkeit ins Spiel. Dies ist natürlich ihr gutes Recht, befremdend ist es trotzdem, ist es doch gerade Hutters SVP, welche sonst bei jeder Gelegenheit auf die unanfechtbaren Entscheidungen des Souveräns verweist.
Nicht weniger deplatziert ist aber auch die Forderung der Berner SP-Nationalrätin Ursula Wyss nach einer Prüfung der EU-Beitrittsfrage. Dabei kritisiere ich nicht, dass die SP einen EU-Beitritt in Betracht zieht, sondern vielmehr den Zeitpunkt, an welchem die SP-Fraktionspräsidentin diesen ins Spiel bringt. Es war insbesondere auch ihre Partei, welche im Abstimmungskampf - zu Recht - auf den Erfolg des bilateralen Weges verwiesen hat. Eben dieser bilaterale Weg, welcher der Schweizer Bevölkerung in den vergangenen Jahren stets als Alternative zu einem EU-Beitritt verkauft wurde.
Ich frage mich, wie ernst Frau Hutter und Frau Wyss den heutigen Volksentscheid nehmen, wenn sie den bilateralen Weg nur wenige Stunden nach Schliessung der Wahllokale schon wieder in Frage stellen.
February 8th, 2009 by Michael Koepfli