Hesch hüt Mamitag?

„Hesch hüt Mamitag?“ Ich tippe mal keine Frau unter Euch wurde das je gefragt. Und niemand von Euch hat das jemals eine Frau gefragt. Ich wurde im letzten halben Jahr aber unzählige Male gefragt, ob ich Papitag hätte. Wenn ich dann sagte, ja heute und am Freitag auch wieder, irritierte das oft. Meine Partnerin, die wie ich 2 Betreuungstage mit unserem Sohn verbrachte, wurde dafür regelmässig gefragt, wie sie ihre Arbeit eigentlich mit der Familie unter einen Hut bringe.

Mehr als erwartet habe ich in letzter Zeit gemerkt, wie viel es bei der Gleichstellung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch viel zu tun gibt. Die Massnahmen, welche die politische Debatte beherrschen, halte ich aber oft für wenig zielführend.

Da wird bspw. aus 2 oder 4 Wochen Vaterschaftsurlaub die gesellschaftspolitische Gretchenfrage gemacht – obwohl dieser meines Erachtens herzlich wenig am eingangs erwähnten Rollenbild ändern wird.

Wenn es gut kommt, ist es ein Signal in die richtige Richtung. Es kann aber auch dazu führen, dass danach echte Reformen blockiert werden, weil man ja “etwas getan hat”. Ich bin jetzt etwas böse, aber ich habe das Gefühl, dass gewisse Politiker, die selbst im traditionellen Rollenmodell leben, mit ihrem Einsatz für den Vaterschaftsurlaub ihre Progressivität beweisen wollen. Auch mit neuen Vorgaben und Quoten für Unternehmen kann ich mich nicht wirklich anfreunden.

Statt Symptome zu bekämpfen, sollten wir die Ursachen angehen. Einerseits müssen Gesetze angepasst werden, die heute voll auf das traditionelle Rollenmodell ausgerichtet sind: Statt der Ehepaar- braucht es eine Individualbesteuerung. Statt dem Mutterschaftsurlaub eine Elternzeit. Und der Koordinationsabzug bei der Pensionskasse gehört genauso abgeschafft wie die Ungleichbehandlung zwischen Mann und Frau bei der Witwenrente. Da wird bis heute unterstellt, dass die Frau im Alter vom Mann abhängig sei und nicht umgekehrt.

Gerne möchte ich mich künftig im Nationalrat für diese Reformen einsetzen.

Ich unterstütze Michael im Wahlkampf mit einer Spende.

Noch viel wichtiger ist aber das Umdenken in unseren Köpfen. Das ist aber auch viel schwieriger und anstrengender. Denn hier geht es schlussendlich um Eigenverantwortung – die insbesondere auch Paare wahrnehmen müssen. Das kann die Politik nicht übernehmen.

Aber fragt doch alle mal Frauen im Umfeld nach ihrem Mamitag und Männer, wie sie Beruf und Familie eigentlich vereinbaren. Vielleicht wirkt es und wenn nicht, wird es zumindest sehr unterhaltsam. 😉

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